Liebe Eva,
heute ist ein ganz besonderer Tag. 30 Jahre Chorarbeit mit Kindern und Jugendlichen: Das ist eine Zahl, die muss man erst einmal sacken lassen. 30 Jahre, das ist keine kurze Episode, das ist eine Ära. Bei Promis wären schon zig Memoiren geschrieben worden. Also liebe Eva, greife zum Stift und schreibe auch die deinigen! Junge, Junge, was da wohl alles aufs Papier gelangen würde…
Als Du vor drei Jahrzehnten die Leitung übernommen hast, warst Du logischerweise noch jünger, aber die Motivation, alles zu geben, die hattest Du damals genauso wie auch noch heute. Heute feiern wir nicht nur dieses beeindruckende Jubiläum, sondern auch 30 Jahre absolute Hingabe, Leidenschaft und musikalische Erfüllung.
30 Jahre Chorarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Viele haben, so will ich einfach behaupten, gar keine Vorstellung davon, was das bedeutet. Es bedeutet nicht nur, schon lange Musik zu machen, vor allem bedeutet es auch, ganz viel Geduld aufzubringen, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen, sich der veränderten Gesellschaft anzupassen und trotzdem Leistung zu erbringen. Es ist ein schwieriger Pfad und er bedarf Nervenstärke, Power und einer großen Portion Durchhaltevermögen. Das alles hast Du über diese lange Zeit bewiesen. Aber eines bedeutet es auch: ein nicht enden wollendes, wuseliges, durchaus auch fröhliches Durcheinander. Die Unbefangenheit, aber auch die Unberechenbarkeit der Kinder, später die Pubertät der Jugendlichen, zeigen dem strukturierten und geplanten Alltag schnell seine Grenzen auf, sodass nicht nur musikalisches Können Deine Stärke ist – nein, Improvisation und Flexibilität gehören zum täglichen Geschäft dazu.
Unbequeme Situationen können Dich jedoch nicht von Deiner Arbeit abbringen; im Gegenteil, Du arbeitest stets lösungsorientiert. Und so hast Du es immer wieder geschafft, aus Kindern, die schüchtern mit dem Singen begonnen haben, über pubertierende Jugendliche, die schon mal gerne rebellieren, tolle Sänger*innen zu formen, die oftmals den Mut gefunden haben, ihre Stimme zu zeigen. Für viele von Ihnen ist der Chor ein Ort, an dem sie sich angenommen fühlen, ein Ort, an den sie sich lange, vielleicht sogar ihr Leben lang zurückerinnern werden. Das merken wir hier und heute wieder ganz deutlich. Die Sängerinnen der Jugendkantorei sind zum größten Teil weit aus der Altersgruppe der ›Kinder und Jugendlichen‹ raus und längst weit über die Grenzen Bremerhavens verstreut. Einige haben lange Anfahrtswege, und trotzdem kommen sie immer wieder gerne hier zu Dir, um mit Dir und allen anderen Mitstreiter*innen zu musizieren, tolle Lieder einzustudieren und Konzerte abzuhalten. Ein tolles Statement!
Es ist keine leichte Aufgabe, einen Chor zu leiten. Du hast dies mit außergewöhnlichem Talent, aber auch mit Herz und Seele gemeistert.
- Du hast Stimmbänder gestählt,
- Du hast aus einer Gruppe von Sänger*innen eine Gemeinschaft geformt,
- Du hast alle durch schwierige Lieder und komplexe Konzerte geführt –
all dies immer mit einem Lächeln und, wenn nötig, der absolut richtigen Portion strenger Korrektur! Somit bist Du für alle die Aktiven nicht nur die Chorleiterin, nein, Du bist auch Mentorin, Freundin und musikalischer Kompass.