Kroatien 2018

Am Sonntag telefonierte der Priester von Split mit dem Priester von Šibenik. »Mensch, sind die gut!«, sagte er sinn­gemäß, »die musst du unbedingt in deiner Messe singen lassen!« So sangen wir in der Kathe­drale des heiligen Jakobus in Šibenik nicht nur unser Konzert, sondern vorweg auch die Messe. Es war schön, dass wir mit unserer Kantorin Eva Schad solchen Zuspruch bekamen.

Vorangegangen war die Messe im Mausoleum des grimmigen Christen­verfolgers Diokletian, das, lange nach dem Tod des römischen Kaisers, zur Kathedrale umfunktioniert worden war. Das spätrömische Gebäude in Split war erfüllt von barocker Glaubens­pracht. Unter der Aufsicht zahlloser steinerner Engel, Heiliger und Schild­träger sangen wir das Haupt­werk unserer Konzerte, die Missa ›Dies Sanctificatus‹ von Giovanni Pierluigi da Palestrina. Wir standen ungewohnt in engem Raum, eher im Haufen als im Halbkreis, Tenor und Alt nebeneinander, aber das Üben in den Monaten zuvor zeigte seine Wirkung: Die Gottesdienst­besucher klatschten beeindruckt, nachdem der Priester uns erwähnt hatte.

Acht Auftritte hatten wir auf unserer Reise vom 29. September bis zum 6. Oktober 2018. Unser Programm reichte von der Renaissance über die Romantik, etwa mit dem ›Abendlied‹ von Josef Gabriel Rheinberger, bis hin zur Gegen­wart, etwa mit dem Spiritual ›Steal Away‹.

Die Kirchen­gebäude spiegelten die Umbrüche von Gotik zu Renaissance und Früh­barock im bunten Neben- und Ineinander der Stile. In der Kathedrale von Trogir konnten wir anhand der Entstehungs­daten der Seiten­altäre die Kunst­geschichte vom frühen 15. Jahrhundert bis um 1800 verfolgen. Ziemlich gruselig war ein schwarzer Altar, der mit Toten­köpfen verziert war. Offenbar wurde der Totenkult seinerzeit besonders intensiv gepflegt. Zu den weiteren Stationen gehörten Kirchen in Imotski und auf der Insel Hvar. Im Küsten­örtchen Makarska speisten wir zum Dank für unser Konzert zum Stadt­jubiläum sogar als Gäste der Stadt.

Das Publikum, Einheimische wie Touristen, machte uns mit seinem Zuspruch Freude beim Singen. Geradezu liebevoll war der Empfang in der Kon­kathe­drale Sankt Peter in Split. Sie war die jüngste Kirche unserer Reise, erbaut 1980, mitten im Sozialismus. Statt barocker Zier­freude dominierten hier klare, strenge Linien und schlichte Eleganz. Bei Bier, Limonade und Salz­gebäck kamen wir mit Mitgliedern der Deutsch-Kroatischen Gesellschaft ins Gespräch.

Einen Teil der Konzerte bestritt unsere Chor­leiterin mit Orgel­werken. Es war ein besonderer Wunsch der Partner in Kroatien gewesen, dass eher bekannte Stücke gespielt werden sollen. Und das war auch gut so, denn gerade die d-Moll-Toccata erwies sich auf den manchmal wider­spenstigen und bescheiden gestimmten Instrumenten als unzerstörbar und wurde jedes Mal vom Publikum beklatscht. Obwohl wir die Stücke kannten, war es auch für uns spannend zu hören, wie das Ringen zwischen unserer Kantorin und so mancher Orgel ausgehen würde. Dabei kamen auch unkonventionelle Methoden zum Einsatz: In Makarska etwa musste Eva Schads getreue Registrantin Friederike Julius eine hängende Taste nach jeglichem Antippen wieder nach oben drücken, damit kein störender Dauerton entstand.

Flashmobs

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Einige Male bildeten wir auf einem öffentlichen Platz einen Flashmob und sangen das ›Halleluja‹ aus Händels Messias oder das ›Laudate‹ von Knut Nystedt. Auch dabei wurden wir beklatscht, gefilmt und fotografiert. (Zum Anschauen des Videos bitte in das Bild klicken!)

Die Schönheit der kroatischen Natur lernten wir im Nationalpark Krka kennen. Über eine Kette von sieben Wasser­fällen rauscht dort der Fluss Krka durch ein urig bewaldetes Tal hinab. Ein vielfach gekrümmter Weg führte uns über Treppen und Brücken durch eine Flora und Fauna von verschwenderischer Fülle. Hier sind auch einige historische Gebäude erhalten, die uns einen Einblick in das Leben der Menschen aus früherer Zeit gaben, darunter eine Schmiede, an der ein Freizeit-Handwerker die alte Arbeit demonstrierte.

Weitere Ausflüge und Stationen führten uns zur Burg Klis, zu den Ruinen der antiken Stadt Salona, in das Hafenstädtchen Omis und zu zwei zauberhaften Bergseen (in denen einige Wagemutige auch badeten).

Raffinierte Fleischzubereiter

Bei ihren traditionellen Essen erwiesen sich die Kroaten als raffinierte Fleisch­zubereiter. Auf einem dalmatinischen Bauernhof aßen wir Kalb, das nach stunden­langem Garen im Topf gereicht wurde. Nach einiger Grabungs-Arbeit, mit Messer und Gabel durch Haut, Fett und Knochen, kam das zarteste und leckerste Fleisch zum Vorschein, das man sich vorstellen kann.

Organisatoren und Problemlöser

Großartig organisiert wurde die Reise von Hans Rummel und Agnieszka Janczewska. Sie fanden nicht nur wunder­schöne Reise­ziele und Gesangs-Etappen, sondern tüftelten auch günstige Preise für Flugzeuge, Busse und Unter­künfte aus. Obendrein walzte sich ihnen ein Geröll aus Schwierig­keiten entgegen. So wurden am Ende der Reise einem Chor­mitglied Ausweise und Geld gestohlen, und die Flug­gesell­schaft wollte das Mitglied nicht über die Grenze fliegen. Auch hier erwies sich Hans Rummel als unermüdlicher Problem­löser, der mit der hilfs­bereiten kroatischen Polizei, der unhilfs­bereiten deutschen Botschaft und der wider­borstigen Flug­gesellschaft die Einreise unseres Mitsängers nach Deutschland herbei­verhandelte.

Eibe Meiners

Videos

Palestrina: Missa Dies Sanctificatus (Hvar)

Knut Nystedt: Laudate (Hvar)

Händel: Halleluja (Split, Flashmob auf dem Peristil)

Ola Gjeilo: Ubi Caritas (Hvar)

Steal away (Split, Konkathedrale)

Steal away (Makarska)

Knut Nystedt: Laudate (Makarska)

Händel: Halleluja (Hvar)

Ivan Zajc: Ave Maria (Šibenik)

Grieg: Ave maris stella (Makarska)

Rheinberger: Bleib bei uns (Makarska)

Lobgesang auf die Reiseplaner (Makarska)